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August 22 2012

Mit dem Daumen nach Berlin

Ich hatte Anfang August eine Karte für die Campus Party Europe vom 21. bis  26. August in Berlin gewonnen. Trotz der komischen Anforderungen (Passbild, Seriennummer des Laptops) hatte “ich mich angemeldet. Dann kam natürlich die Frage auf, wie nach Berlin kommen. Reguläre Flug- oder Zugtickets lagen im Bereich über 100 Euro, das fand ich zu viel. Ab und zu gibt es Restplatzkarten für die Bahn bei Ltur für 25 Euro, diese Woche nicht. Mitfahrgelegenheiten wollten auch ihre 30-40 Euro, als Schwabe ist das natürlich auch nicht wenig. Inspiriert von @_stk und @gruenzeug hatte ich mir dann aber vorgenommen, per Anhalter nach Berlin zu kommen. Ich hatte so etwas noch nie gemacht, infomierte mich also im Netz und wählte meine Ausrüstung entsprechend. Schlafsack und Isomatte mussten sowieso mit, also hatte ein Tarp auch noch Platz, für den Worst Case.
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Tripplanung mit Hitchwiki und Google Maps
Es gibt ein überaus praktisches Tramperwiki. Dort finden sich Tipps und Spots (weltweit), die sich als Abfahrtsstelle besonders gut oder schlecht eigenen. Unter anderem gibt es auch Listen mit Rastplätzen für alle deutschen Autobahnen. So kann man schnell nachschauen, welche Plätze für einen in Frage kommen. Leider fehlen noch hilfreiche Dinge wie Kilometerstand, GPS Koordinaten, aber das kann ja noch werden ;-) Ein praktisches Feature ist eine Visualisierung der Spots auf einer Karte, powered by OpenStreetMap. Leider ist die Map bei mir mit dem Browser von Android quasi nicht bedienbar, das schreit nach einer für mobile Geräte optimierten Version *todonotier*.

Mein Plan sah dann die Reiseroute Ehinger Tor, Eichenplatz, Raststätte Lohnetal auf der A7, A6 und A9 vor. Die Position Eichenplatz kann man bequem mit dem 4er Bus in Ulm erreichen. Mit dem Schild “HDH” dauerte es auch nur drei Autos, bis ich eine Fahrt bis zu Raststätte Lohnetal hatte. Dort angekommen war es mittlerweile kurz vor 9, trotzdem war merklich wenig los. Ich setze mich (faul wie ich bin, außerdem hatte ich ja noch massig Zeit) mit dem Schild “Nürnberg” zwischen Parkplatz und Raststätte in die Sonne. Kurze Zeit später fand sich so eine Mitfahrgelegenheit über die A6 bis nach Nürnberg. Die junge Dame wäre sogar ein kurzes Stück auf der A9 nach Norden gefahren, aber auf dem Stück gab es keine Raststätte. Ich hätte also an der Autobahnauffahrt stehen müssen, was ich zu diesem Zeitpunkt für eine schlechte Idee hielt. Ich stieg daher kurz vor Schwabach auf der Raststätte Kammersteiner Land an der A6 aus. Ein kleiner Fehler, wie sich später heraus stellte.

Dort traf ich zwei andere Tramper, die nach Tschechien weiter wollten. Nach einem kurzen Plausch suchte ich mir ein Platz im Schatten um zu Frühstücken und mein Schild “A9 Nord, Berlin” zu präsentieren. Leider fuhren alle Vorbeigehenden weiter auf der A6 oder eher in den Süden nach München. Kurz vor 12 stellte ich mich dann an die Ausfahrt, um auch den Tankstellenverkehr noch abzufangen. Dort gab es aber weder Schatten (ich hatte so viele Dinge dabei, aber natürlich keine Sonnencreme) oder Autos, die auf der A9 Richtung Norden wollten. Gegen 13 Uhr hielt dann zum Glück ein LKW, der Richtung Dresden wollte, also passend für mich, ich stieg ein. Der Fahrer (Willi) erzählte mir, er sei früher auch 3 Jahre lang nur getrampt, durch ganz Europa. Er war über ein Jahr in Finnland und hat im Wald auf Bauernhöfen übernachtet und sich dort mit etwas Arbeit seinen Unterhalt finanziert.
Ich war froh, endlich vorwärts zu kommen und so fuhr ich dann mit Willi einfach weiter bis kurz nach Dresden, das Ziel war eine Raststätte auf der A13, von dort sollte es schnell nach Berlin gehen. Der Umweg war von der Strecke her nicht so weit. Aber lang, Höchstgeschwindigkeit für LKW ist nun einmal 80km/h. Dazu kam dann noch, dass wir es nicht ganz bis zur geplanten Raststätte schafften, da Willi seine Lenkzeiten einhalten muss, somit war nach 4.5h auf einem Parkplatz erst einmal Ende. Es drohen bei Überziehung von wenigen Minuten schon empfindliche Strafen, daher könne es erst nach 45min Pause weitergehen. Tja blöd gelaufen, also abwarten und Abendessen. Auf dem Parkplatz gab es nichts außer parkende LKW und das Toilettenhäuschen, meine Hoffnung direkt mit einem Auto von hier weg zu kommen war nahe Null. Doch nach gut 30 Minuten fuhr ein Auto mit Berliner Kennzeichen auf den Parkplatz. Ich fragt bei der Fahrerin höflich nach und trotz des überraschenden Antwort “wenn Sie sich das mit mir trauen”  willigte ich sogleich ein. Die weitere Fahrt nach Berlin verlief ohne Probleme, ich konnte direkt an der Haltestelle Treptower Park aussteigen und mit der S-Bahn weiter zu meinem Ziel reisen.

Fazit
Macht Spaß. Ist aber auch bisschen anstrengend und es kostet (zumindest am Anfang) etwas Überwindung, random Leute auf eine Mitfahrgelegenheit anzusprechen. Vielleicht sollte ich nächstes mal es umsichtiger bei der Auswahl sein und lieber längere Trips nehmen, anstatt Autobahnhopping zu betreiben. Spätestens Sonntag kann ich die Strategie bei der Heimfahrt dann testen.

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Schweinderl